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Archive for Oktober 2009

Relevanz ist irrelevant

Oktober 31, 2009 1 Kommentar

Das das Thema jetzt so hochlocht ist bezeichnend. Seit Jahren führe ich die Debatte. Z.B. auf dem Kieler Webmontag letztes Jahr. Oder in der Nachlese zu Lutz Heilmann. Das Thema wurde als irrelevant eingestuft und eigentlich wenig in der Blogger-Elite besprochen.

Zu dem aktuellen Chaosradio möchte ich daher nun nur einiges hinzufügen:

  1. Relevanz ist irrelevant für die Qualität von Artikeln, also sollte das Kriterium nach den eigenen Relevanz-Kriterien der Wikipedia gelöscht werden.
  2. Eines der Hauptprobleme ist die sog. Professionalisierung der Wikipedia. Denn man bewegt sich weg von einem gemeinsamen Pflegen der Inhalte und ersetzt dieses Socializing durch Regeln und Strukturen. Für Newcomer ist es so gar nicht mehr möglich einen Einstieg zu finden.
  3. Die deutschsprachige Wikipedia ist nach enzyklopädischen Maßstäben im Vergleich zur englischsprachigen irrelevant, da sie viel kleiner ist und die Artikel weniger relevante Informationen beinhalten.
  4. Aber das wichtigste Problem ist wie ich schon seit Jahren sage die Zielstellung Enzyklopädie. Weil der Gedanke dahinter einfach nicht im Zeitalter des Web entstanden ist, weil die Wikipedia trotz der Zielstellung ganz bewusst vielfach grundverschieden ist.

Die Wikipedia hat Angst vor dem Wissen und vor den Usern.

Und hier noch mal mein Vorschlag:

Die Wikipedia sollte aufgebaut sein, wie ein Softwareprojekt mit Versionsverwaltung. D.h. es sollte möglichst viele Möglichkeiten geben etwas beizutragen. Nicht notwendiger weise müssen alle Beiträge sofort online sein. Evt. kann man auch sog. Releases erstellen. z.B. das Artikel zur Aufnahmen in die Wikipedia beantragt werden. Der Vorschlag Artikel im Userspace zu schreiben ist fatal aus zwei Gründen: Zum einen können andere so nicht an dem Artikel mitschreiben und ggf. entstehen so mehrere Artikel mit gleichem Thema. Aus dem Pool an Artikeln wäre es dann möglich nicht nur etwas enzyklopädisches zu entwerfen, sondern auch ganz andere Wikis. Dazu fände ich es auch gut, wenn die Wikipedia stärker synchronisierbar wäre. Eigentlich ist dazu das derzeitige System mit einer Datenbank weniger geeignet und der direkte Dateizugriff auf statische Seiten viel interessanter.

Was dabei unter den Tisch fallen würde, wäre wohl das anonyme Schreiben. Das könnte und sollte man wohl auf das Korrigieren von Rechtschreibfehlern beschränken (kleine Änderungen). Jedes Anlegen eines neuen Artikels sollte nur von angemeldeten Besuchern erfolgen.

Hier denke ich, dass die Wikipedia das unwichtigste der Wiki-Merkmale erhalten hat. Sicher ist das anonyme editieren auch ganz nett – aber wenn och sehe wie schnell neue Artikel gelöscht werden selbst von erfahrernen Usern, dann verstehe ich nicht, warum dann anonyme Gäste jederzeit komplete Artikel anlegen können sollen. Das macht nur Arbeit, die anderswo fehlt.

Also noch mal: Die Wikipedia stärker wie ein Softwareprojekt organisieren – alle dürfen mitarbeiten an dem gemeinsamen Ziel. Nicht jede Editierung muss sichtbar sein (ist  teilweise mit Sichtung eingeführt) – und neue Artikel werden nicht einfach gelöscht, sondern kommen in eine Queue – wo sie abgearbeitet werden und verschiedenen Stadien durchlaufen müssen.

Einige werden sagen, dass es aber wichtig sei, dass neue Artikel gleich sichtbar sind. Sind sie aber ja bisher gar nicht, wenn sie im privaten Userspace erstellt oder gelöscht werden. Die Wikipedia HAT eine sehr geringe Schwelle zum Erstellen und Bearbeiten von Artikel. Aber die Schwelle für das konstruktive Mitmachen ist gigantisch hoch, so dass dies kaum jemand macht. Hier existiert ein Missverhältnis – genau das Gegenteil ist wichtig. In einem Softwareprojekt mit z.B. Subversion als Versionskontrolle kann nicht jeder sofortt ins Repository schreiben. Dazu will man die Leute und was sie getan haben erst kennenlernen. Es gibt dazu auch bei Distributionen z.B. Unterprojekte – das könnte in der Wikipedia z. b. auch sowas wie Themenkreise sein wie “Physik, Afghanistan, CDU,…” – diese Unterprojekte könnten Mitglieder aufnehmen und somit auch beschränkten Schreibzugriff erteilen. Vielleicht wäre jedes Unterprojekt thematisch dann wieder Teil eines größeren Projektes. So das jeder Artikel letztendlich Teil eines Projektes ist und oben wird alles koordiniert.

Heute stellen wir fest, dass es bei der Wikipedia ja eigentlich keine Auslese gibt – keine Liste von relevanten Artikeln (Positivliste), die festgelegt wird und danach dann eine Veröffentlichung gebaut – sondern man arbeitet sich an jedem einzelnen Artikel ab (Negativliste). In einem Softwareprojekt entscheidet man, welche Änderungen aufgenommen werden und nicht, welche Änderungen nicht aufgenommen werden. Man hat also zuerst ein Bild einer fertigen Version und schaut dann den Status der Kontributionen an, ob sie gewissen Maßstäben gerecht werden. Was man auf gar keinen Fall tut ist ein Work in progress z.B. aus dem SVN zu löschen, nur weil es nicht ganz reif ist. Damit würde man effektiv die Entwicklung des Projektes verhindern. Genau so ist es bei der Wikipedia.

Also wäre mein Motto: Mehr Open Source-Softwareentwickler und weniger Wissensexperten für Wikipedia!

Die jetzige Debatte rumohrt nun so lange und ist nun auch bei den sog. relevanten Elitebloggern angekommen. Viele von uns haben das aber schon seit Jahren kritisiert und begüßen natürlich, dass es nun endlich breiter diskutiert wird. Allerdings kommts mir dann wieder komisch vor, wenn dann wieder nur relevante Blogger für eine PODIUMS-Diskussion eingeladen werden. Eine Podiumsdiskussion entspricht eben gerade nicht den Prinzipien, die man anlegen möchte für eine öffentliche Diskussion, sondern es verkürzt wieder alles auf relevante Personen. Und am Ende steht dann in der Wikipedia. das Fefe die Debatte angestoßen hätte. Wobei er nur derjenige war, der es am lautesten tat und in der Nerd-Szene viel gelesen wird. Ich bin mal gespannt, wann da was aufgenommen wird. Irgendein Idiot hatte das ja schon so wie von mir vermutet aufgenommen:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia&action=historysubmit&diff=65816567&oldid=65811611

Dadurch, dass die Relevanz bestimmter Themen und Gruppierungen nicht immer eindeutig ist, kommt es bei der Wikipedia zu Löschungen von Artikeln. Ein Beispiel stellt der Fall des Vereins MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren, kurz MOGIS, dar, dessen Artikel im [[Oktober 2009]] gelöscht wurde aufgrund von mangelnder Relevanz. Das Thema erlangte schnell Popularität in Internetkreisen durch die Bericherstattung, unter anderem, im Blog von Felix von Leitner und [[Spreeblick]]. Im selben Monat nahmen sich auch [[Telepolis]] und die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins [[Spiegel]] dem Thema an.

Genau so war es eben nicht. Interessant aber, dass in dem Artikel das “Das Wikistress-o-meter” als relevant genug für die Aufnahmen in den Artikel angesehen wird.

Zeit für eine Piratinnenpartei?

Oktober 30, 2009 21 Kommentare

Wenn ich sowas lese, bestätigt das meine Vermutungen, die ich seit vielen Monaten hege – und die der Bundesvorstand der Piraten bisher immer wieder zerstreuen konnte. Es gibt in den Piraten Männerbünde (zum Teil unterstützt durch einzelne Frauen), die knallhart eine Interessenspolitik für Themen der Männerbewegung durchsetzen wollen. Ein besonderer Spezi dabei ist der  Moderator Arvid, der zwar nicht direkt zu den Scharfmachern gehört, aber mit seinen Verwarnungen und Aktionen eine extrem einseitige Position vertritt, um im Internet die Partei ebenso einseitig auszurichten. Einer seiner neuesten Vorstöße ist dabei die Gründung einer neuen AG 2G.

Zur Erklärung: Am Anfang war die AG Männer (17.September), daraufhin folgten de AG Gender/Gleichberechtigung und AG Frauen. Der Bundesvorstand nahm dazu am 24. September wie folgt Stellung:

Der Bundesvorstand ruft bei der Bildung von Arbeitsgruppen mit Themen zu Genderaspekten dazu auf, die inhaltliche Arbeit in einer gemeinsamen AG zu führen. Diese übergeordnete AG soll Aspekte und Arbeiten zu allen genderspezifischen Bereichen aus den AGs in einem gleichberechtigten Diskurs für die Partei zusammenfassen und gegebenenfalls Anträge an die Partei formuliert.

Jemand schrieb der AG Gender ins Stammbuch “Sehr wichtig ist es, nicht in endlose MiniAGs zu zersplittern. Im Forum, auf MLs und in Landesverbänden wird über “AG Männer”, “AG Gleichberechtigung”, “AG Frauen” und vieles Andere diskutiert; es wäre von großem Vorteil, alle Beteiligten auf diese AG aufmerksam zu machen und sie zur Mitarbeit aufzurufen. ” Wie wahr!

Die Gründung der AG 2G  ist der direkte Versuch, den Beschluss des Vorstandes zu umgehen. Hintergrund ist, dass man ein Schwinden des Einflusses befürchtet, wenn dort wirklich mal Konsens entstehen müsste. Ein Forum hat die AG Gender nicht, obwohl sie eigentlich das Zentrum der Diskussion bilden sollte. Die AG 2G setzt die Zersplitterung fort, die durch die AG Männer begonnen wurde und vor der einige User bereits zum Zeitpunkt der Gründung der Ag Gender gewarnt haben.

Interessant ist dabei z.B., wie die AG 2G vorgehen will:

  • Arbeitsstruktur – Zitat:
    • “Die Akzeptanz dieser Arbeitsweise ist Voraussetzung für die aktive Mitarbeit in der AG und wird durch eine formlose Einverständniserklärung des Mitgliedes dokumentiert.
    • Um ergebnisorientiert arbeiten zu können, werden gemischtgeschlechtliche Teams gebildet, die im Rahmen einer Diskussion, eine Position der AG zu einem bestimmten Unterthema erarbeiten. Zwischenstände, Zwischenergebnisse, Lösungsvorschläge und Endergebnisse werden im Unterforum veröffentlicht. Die Endergebnisse werden zur allgemeinen Diskussion gestellt.
    • Für anstehende Themenbereiche bewerben sich die AG-Mitglieder. Die Koordinatoren der AG, die zuvor aus der AG gewählt wurden, stellen die Teams entsprechend ihrer Bewerbung und/oder erfolgten Abstimmungen zusammen.

Was bedeutet das? Das alle, die mitarbeiten wollen die Arbeitsweise akzeptieren müssen, die die Gründer festgelegt haben (nicht der Budnesvorstand) – wer Kritik hat, darf nicht mitarbeiten. Darüberhinaus können die Koordinatoren auswählen, wer in welchen Teams mitarbeiten darf. Damit können sie nach belieben missliebige Positionen und Personen herausfiltern. Sprich es handelt sich hier um ein autokratisches System, das auf Willkür basiert. Und diese sog. “Arbeitsweise” soll dann einen Konsens bilden. Doch Konsens aus was? Konsens aus den Positionen derjenigen, die die Arbeitsweise akzeptieren und darüber hinaus durch den Filter der Koordinatoren gelaufen sind. Also kein Konsens aller Piraten und Piratinnen – sondern ein Konsens unter einer neuen Führungssschicht an Teilnehmern. Privilegierten.

Die Installation einer solche AG ist der fortgesetzte Versuch, die Piraten von basisdemokratischen Ansätzen zu befreien. Statt einer offenen Diskussion auf breiter Basis, soll es kontrollierte Diskussion ausgewählter Piraten geben, die dann aber wieder für alle einen Konsens ausarbeiten. Darüberhinaus würde damit eben die AG Gender ausgehebelt, die angetreten war eben an diesem Konsens zu arbeiten – und zwar ALLEN offen steht.

In den letzten Wochen hat die Diskussion aus meiner Sicht große Fortschritte gemacht, in dem vielfach aufgezeigt wurde, wo Argumente fadenscheinig sind. Man muss eben die Spreu vom Weizen trennen. Dies passt aber vielen Männerbewegten aber offensichtlich nicht. Sie füchten, dass in einer gemeinsamen AG Gender ihre Forderungen verwässert würden. Sie wollen nicht wirklich diskutieren und an einem Konsens arbeiten, sondern am liebsten ihre Forderungen 1:1 an den Vorstand durchreichen – durch die AG 2G dann geadelt als DER KOMPROMISS. Aus meiner Sicht ist das ein ganz, ganz schlimmer Versuch der Manipulation – und zudem dazu auch noch allzu duchsichtig und dumm. Erstaunlicherweise scheinen viele Piraten allerdings wieder einmal nicht zu verstehen, was hier passiert. Die AG Männer könnte auch durch ihr eigenes Fehlverhalten und dem Stoppen ihrer Radikalforderungen derzeit keine Ergebnisse so einfach 1:1 beim Vorstand durchsetzen. Deswegen braucht man eine Konkurrenz-AG zur AG Gender, die namentlich Neutralität signalisiert. Die Initiatoren handeln damit wider dem ausdrücklichen Willen des Vorstandes und insgesamt extrem parteischädigend. Ich kann nur hoffen, das der AG Rat, bzw. der Vorstand genug Verstand besitzt dies zu erkennen und dem Treiben ein Ende setzt.

Es war m.E. ein Fehler frühzeitig genderzentrierte Foren einzurichten ud gleichzeitig der neutralen, gemeinsamen AG selbiges zu verweigern. Da hat irgendjemand nicht aufgepasst. Dies hat der Männerbewegung Gelegenheit gegeben die PP für ihre Zwecke zu missbrauchen. Im Moment scheint mir der BV etwas überfordert, die ganzen Entwicklungen zu überblicken und im Griff zu behalten, so weit, dass Dinge nicht aus dem Ruder geraten.

Die Frage ist, ob die PP noch zu retten ist? Oder ist es chon Zeit für eine Piratinnenpartei? Müssen sich die progressiven Kräfte in der PP abspalten, bevor die Idioten das Schiff endgültig versenken?

Piratenpartei (doch nicht) Mens only

Oktober 22, 2009 3 Kommentare

Dank der Initiative einer Frau wurde bei den Piraten nun ein Antrag direkt an den Bundesvorstand eingebracht, der die Partei einseitig auf Männerinteressen ausrichten wird. Der Antrag lautet:

Der Vorstand möge beschließen, eine Diskussion zum Thema “Geschlechtergerechtigkeit” eine Diskussion in der Partei zu initiieren. Diese soll zum Ziel haben, dass Kernprogramm der Piratenpartei um Aspekte zu erweiterten, die zur echten Geschlechtergerechtigkeit führen.

Begründung:
1. Diese Programmerweiterung betrifft die Stammwählerschaft der Piraten, da viele der heute gültigen Gesetze, vor allen junge Männer benachteiligen.
2. Es ist elementarer Grundsatz der Piratenpartei, sich für die
unterschiedslose Anwendung von Rechten und Pflichten einzusetzen.

Belege:

Um die historische Benachteiligung von Frauen systematisch abzubauen, wurden ihre Rechte in den zurückliegenden Jahrzehnten gestärkt. Dabei entstanden Ungerechtigkeiten gegenüber Männern, gegen die sich inzwischen eine breite Bewegung von Menschen unterschiedlichster Stellung, Geschlecht und Herkunft richtet. Diese Bewegung zieht sich durch alle politische Lager, hat aber keine politische Anbindung.

Es entspricht sowohl der primären Zielgruppe, als auch der Programmatik der Piratenpartei, diese Defizite aufzuzeigen und Konzepte für deren Abbau zu erarbeiten, ohne in eine Männer-gegen-Frauen-Rhetorik zu verfallen. Die Piraten täten gut daran, sich dieser Problematik anzunehmen. Es betrifft ihre Wählerschaft. Diese Bewegung formiert sich
derzeit und sucht politische Unterstützung. Darum ist das Thema
Geschlechtergerechtigkeit ein sehr geeignetes Kernthema für die Piraten.

Die Nachteile der Männer betreffen vor allem diese Themen:
Bildung, Gesundheit, Scheidungsrecht, Väterrechte, verpflichtender Dienst.

Wenn das so durchgeht, ist das ein Sieg für die Männerbewegung, der es primär um ein Zurückdrehen der Errungenschaften des Feminismus und somit gegen etablierte Bürgerrechte geht. Statt auf einen Dialog zu setzen und der Formulierung neutraler Ziele einer Geschlechtergerechtigkeit wird hier plötzlliche den Männern einseitig neue rechte zugestanden, während diese Frauen pauschal verweigert werden.

Peinlicherweise kam dieser Vorstoß als Nacht- und Nebelaktion ausgerechnet von einer Frau, die somit beweisen wollte, dass sie sich mit bestimmten Themen beschäftigt hat. Dieser Antrag, wird er denn umgesetzt, wirft die Piratenpartei Wochen zurück bei denen es gelungen war die Pattsituation klarer herauszuarbeiten und auch die Interessen gewisser Antifeministen zu identifizieren. Der logische nächste Schritt wäre es gewesen eventuell tatsächlich geschlechtsneutrale Positionen zu entwerfen, gegen das man sich bei diesem Antrag aber klar entschieden hat.

Ich hatte dazu folgenden Gegenentwurf formuliert:

Die Piratenpartei steht zu dem Grundrecht der Gleichberechtigung. Die Piratenpartei lehnt bestehende Diskriminierung in jeglicher Form ab. Die Piratenpartei tritt für die Beseitigung existierender Diskriminierungen ein. Dabei soll folgendes berücksichtigt werden:

* Maßnahmen sollen nach Möglichkeit keine anderweitige Diskriminierung bewirken.
* Maßnahmen sollen eine begrenzte Gültigkeit haben
* Bestehende Gesetze sollen auf ihre diskriminierenden Wirkung überprüft werden.

Hintergrund:
Die Frauenbewegung hat in den letzten Jahrhunderten wichtige Verbesserungen für Frauen erreicht. Doch noch immer bestehen Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung. Die Piratenpartei strebt eine Gesellschaft an, in der die Sexualität nicht die Chancen und Rechte eines Kindes im späteren Leben vorbestimmt. Jeder Mensch ist daher mit den gleichen Rechten ausgestattet zu deren Durchsetzung wir uns verpflichtet fühlen.

Ich bin zwar der Meinung, dass man die Benachteiligung von Frauen klarer herausarbeiten könnte. Aber dies war mit den Piraten nicht machbar.

Update:

Dieser o.g. Antrag wäre  der Schlussstrich unter einer wochenlangen Debatte zur Geschlechtergerichigkeit. Hiermit hatte sich der Graben zwischen Männern und Frauen potentiell geweitet.

Immerhin hat der Bundesvorstand diesen Antrag EINSTIMMIG abgelehnt! Bravo!

Noch ist nicht alles verloren.

Ein kurzer Rückblick auf das Versagen in der deutschen Geschichte

Zu einer Recherche zum Umfeld der Emordung von Rosa Luxemburg (anläßlich eines Filmabends “Rosa Luxemburg“) habe ich einen Text zusammengestellt, den ich mit euch teilen möchte.
Ich setze jetzt mal den willkürlichen Anfang der Vorgeschichte des Films auf das Jahr 1815. Dem jahr des Wiener Kongresses. Der fand anläßlich der Niederlage Napoleons statt und leitete die Periode der Restauration ein, deren Ziel es war die alte Ordnung (also monarchistische Herrschaft) wiederherzustellen. Wichtiger Begriff ist da der Vormärz. Das führte zu Widerständen des Bürgertums und auch die Ideen der Nationenbildung in Einheit und Freiheit als Gegenmodell zur Monarchie und die Aufklärung hatten sich doch zu weit verbreitet, so dass die Ideen sich auf verschiedene Schichten/Klassen ausbreitete. In diese Zeit fällt auch die ROMANTIK. Die Angst vor Revolutionen führte zur Zensur, Verfolgung und Unterdrückung von Opposition.

Ich zitiere mal aus der Wikipedia:

Eine wesentliche Qualität der Beschlüsse besteht darin, dass der reaktionäre Staat liberale und nationale Ideen als Volksverhetzung begriff und die Träger dieser Ideen als Demagogen verfolgte. Diese Demagogenverfolgung fand besonders intensiv in Preußen statt. Betroffen durch Verfolgung und Inhaftierung waren z.B. Ernst Moritz Arndt, Karl Marx, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Hans Ferdinand Maßmann, Christian Sartorius, Georg Büchner, Friedrich Ludwig Jahn, Karl Theodor Welcker und Friedrich Gottlieb Welcker, aber auch der im damals dänischen Schleswig-Holstein lebende Uwe Jens Lornsen. E. T. A. Hoffmann, der 1819 bis 1821 als Kammergerichtsrat selbst in der preußischen Immediat-Kommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe saß, hat die Vorgangsweise der Behörden in seiner Erzählung Meister Floh satirisch dargestellt. Er bekam dadurch selbst Schwierigkeiten mit der Zensur und der Disziplinarbehörde.

Ihre Forderungen formulierten sie z.B. beim Hambacher Fest (1832).

Also es ging, so interpretiere ich im wesentlichen bei dem Kampf um Volkssouveränität. Ich zitiere die Wikipedia:

Das Prinzip der Volkssouveränität bestimmt das Volk zum souveränen Träger der Staatsgewalt. Die Verfassung als politisch-rechtliche Grundlage eines Staates beruht danach auf der verfassungsgebenden Gewalt des Volkes. Nicht ein Monarch, sondern das Volk in seiner Gesamtheit steht einzig über der Verfassung.

Pressefreiheit und vieles andere waren wohl eher Beiwerk, dass als Bedrohung des monarchischen Prinzips gesehen wurde.

Aktiv war dabei der Deutsche Bund (bestehend aus Königreichen und Herzogtümern), der 1815 auf dem Wiener Kongress gegründet wurde und bis 1866 bestand hatte:

Als Nachfolge”organisation” des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen.

1844 fand der Weberaufstand (Hungerrevolte) statt. 1848/1849 erfolgte die sog. “Deutsche Revolution”, die vorwiegend von Anhängern des Liberalismus geprägt war. Also Anhängern des Parlamentarismus. Andere Kräfte wie Frühsozialisten, Anarchisten u.ä. waren in den Parlamenten gar nicht oder kaum vertreten.

Wikipedia zu Frühsozialismus:

Zentral bei den frühen Sozialisten ist der Begriff der menschlichen Natur, so Leszek Kołakowski. In diesem fundamentalen Sinn seien alle Menschen gleich – mit identischen Rechten und Pflichten. Für diese Autoren gehe es vor allem um die Frage, warum die bisherige Geschichte mit ihren Kriegen und der Ausbeutung der natürlichen Bestimmung des Menschen genau entgegengesetzt verlaufen sei. Der Begriff der menschlichen Natur führe dann zur Idee der kommunistischen Despotie. Es sei für die Frühsozialisten unwichtig, ob die Menschen selbst für die Verwirklichung des Kommunismus sind. Kołakowski zitiert den kommunistischen Autor Jean-Jacques Pillot, demzufolge man auch nicht die Insassen einer Irrenanstalt frage, ob sie ihr Bad nehmen wollen. Kołakowski begegnet dem mit der Frage, wer denn darüber entscheide, wer Arzt und wer Irrer sei.

Ach ja, bei meinen Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass das Wort “Parlamentarismuscharakteristika” lang ist.

Vorgeschichte
In dieser Zeit fand auch die Industrielle Revolution und die Ausbildung eines Proletariates statt – eine radikale Umwälzung der Gesellschaft. Aus Bauern wurden Arbeiter und eine neue Mittelschicht des Bürgertums entstand. Das Bürgertum setzte sich z.B. damals schon für einen Freihandel ein, denn die Zölle drückten ihre Gewinnmargen.

Da politische Organisationen Repressionen ausgesetzt waren wurden Tarnvereine wie Turnbünde und Burschenschaften gegründet. Diese hatten neben den nationalistischen Ideen damals bereits auch antijudaistische und rassistische Tendenzen. Diese Studentenbünde (Corps) halfen auch wesentlich bei der Organisation der Revolution.

Paulskirchenverfassung
Interessant aus meiner Sicht ist, dass die Abgeordneten der Paulskirche von einem Siebenerausschuss eingeladen wurde. Die Zusammensetzung war, was die Sozialstruktur angeht nicht repräsentativ: „Dreimal 100 Advokaten – Vaterland, du bist verraten; dreimal 100 Professoren – Vaterland, du bist verloren!” sagt man damals. Zahlenmäßig sehr schwach vertreten waren Handwerker und Vertreter aus der Landwirtschaft.

Hier die drei Lager laut Wikipedia:

  1. Die „demokratische Linke“ – im Jargon der damaligen Zeit auch als die „Ganzen“ bezeichnet, die sich aus der extremen und der gemäßigten Linken zusammensetzten (der Deutsche Hof sowie die späteren Abspaltungen Donnersberg, Nürnberger Hof und Westendhall)
  2. Die „liberale Mitte“ – die so genannten „Halben“, die sich aus dem linken und rechten Zentrum zusammensetzten (das rechtsliberale Casino und der linksliberale Württemberger Hof sowie die späteren Abspaltungen Augsburger Hof, Landsberg und Pariser Hof)
  3. Die „konservative Rechte“ aus Protestanten und Konservativen (Steinernes Haus bzw. nach dem Wechsel des Klublokals Café Milani. Die Café Milani-Fraktion … verfolgte die Großdeutsche Lösung und vertrat einen föderalen Staat, in dem das Parlament auf Verfassungsfragen beschränkt bleiben sollte und die Reichsregierung nicht kontrollierte. Die Einzelstaaten sollten Monarchien bleiben, eigenständige Heere behalten sowie von der Reichsverfassung abweichende Konstitutionen.” Diese Fraktion kann man teilweise auch zur Reaktion zählen (Die Reaktion)

Interessant hierbei die Dualität zwischen Rückwärtsgewandtheit/Reaktion der Rechten auf der einen Seite und der Vorwärtsgewandtheit der Linken auf der anderen. Ihr erinnert euch, dass die Sozialdemokratische Zeitschrift “Vorwärts” hiess – und so muss man denke ich auch das Spannungsverhältnis zwischen Rechts und Links betrachten.

Legitimationsproblem
Versammeln kann sich jeder, aber diese Versammlung hatte keine. Als der Deutsche Bund einen Waffenstillstand mit Dänemark schloss wegen der Schleswig-Holstein-Frage, kam es zu den Septemberunruhen. Bemerkenswert hierbei:
Bei der drei Tage andauernden Debatte vom 14. bis zum 16. September argumentierte die Linke hauptsächlich nationalistisch und idealistisch, wobei sie insbesondere die deutsche Ehre betonte, die es zu retten gälte. Die Rechte allerdings bat in ihrer Argumentation um mehr Besonnenheit, da die Regierungsverhältnisse zu unsicher seien, denn Dahlmanns Versuch der Regierungsumbildung war ja gescheitert. Deutschland sei zudem nicht fähig einen Krieg ohne Preußen zu führen, da es ohne ein Heer oder eine Flotte machtlos war.” – Schließlich stimmte das Parlament dem Friedensvertag, den es nicht verhandelt hatte zu.

Aus irgendeinem Grunde rief das Parlament preussische und österreichische Bundestruppen zu Hilfe, die wohl das Parlament schützen sollten (? Unklar, gerne Tips). Bei einem Tumult vor der Paulskirche griffen die Preussischen Soldaten ein und verstärkten damit Ressentiments. (Wikipedia:) “Es begann ein Barrikadenkampf zwischen revolutionären Arbeitern, Bauern und Handwerkern einerseits und dem preußischen und österreichischen Militär auf der anderen Seite. Der Aufstand wurde sehr schnell unterdrückt, da die Handwerker, Tagelöhner und Gesellen spontan und planlos vorgegangen waren. Sie hatten zwar an ca. 40 Stellen in der Stadt Barrikaden errichtet, aber versäumt, wichtige militärische Zufahrtswege zu sperren und aus den Dörfern Unterstützung zu holen. Gegen Mitternacht war der Aufstand bereits niedergeschlagen. Bei den Kämpfen fielen 30 Aufständische und 12 Soldaten …. Sowohl die Linke wie auch die Rechte distanzierte sich von dem Aufstand, da dieser nur von blinder Wut getragen worden sei, die nichts mit Politik zu tun habe … Die Nationalversammlung hatte seit dem Septemberaufstand ihre Glaubwürdigkeit verloren und fand zu keiner Zusammenarbeit mehr zwischen dem bürgerlich-liberalen und dem radikaldemokratischem Lager. Diese frühe Spaltung der Kräfte war für das spätere Scheitern der Nationalversammlung von entscheidender Bedeutung … Die radikalen Demokraten, die zugleich links und nationalistisch gesinnt waren, sahen sich von da an nicht mehr durch die Nationalversammlung repräsentiert und griffen in verschiedenen Staaten des Deutschen Bundes zu eigenständigen revolutionären Aktionen.

Radikale Linke wie Robert Blum wurden ohne Beachtung ihrer Immunität standrechtlich erschossen. Beide Seiten betrachteten dieses Kapitel als Bestätigung ihrer Vorurteile über die Rechte oder die Linke.

Immerhin schaffte man es Grundrechte für einen zukünftigen deutschen Staat zu definieren.

Eigentlich wollte die Nationalversammlung eine Großdeutsche Lösung, die aber vom österreichischen Kaiser abgelehnt wurde. Also bot man dem preussischen Kaiser die Krone für einen Staat mit einer Kleindeutschen Lösung (ohne Österreich) an. Dieser lehnte jedoch ab:

In der Folgezeit setzte Preussen einige der Ideen der Nationalversammlung sozusagen von oben um (kleindeutscher Bund unter preußischer Führung).

Friedrich Wilhelm IV. richtete am 5. Dezember 1848 das Preussische Abgeordnetenhaus ein .(Wikipedia: “Die Wahl der Abgeordneten erfolgte nach dem Dreiklassenwahlrecht. Das Wahlverfahren war indirekt. Die Wahlberechtigten wählten in der Urwahl – getrennt in drei Klassen – Wahlmänner und diese dann die Abgeordneten ihres Wahlbezirks. … Wahlberechtigt war jeder (männliche) Preuße ab 24 Jahre, der in einer preußischen Gemeinde seit mindestens sechs Monaten seinen Wohnsitz hatte und nicht durch rechtskräftiges Urteil die bürgerlichen Rechte verloren hatte oder öffentliche Armenunterstützung erhielt. Wählbar zum Abgeordneten war, wer das 30. Lebensjahr vollendet hatte, seit mindestens drei Jahren Preuße war und die bürgerlichen Rechte nicht durch rechtskräftiges Urteil verloren hatte. … Die Stimmabgabe dauerte in der Regel mehrere Stunden und fand durchgehend werktags statt….Das Wahlverfahren in Kombination mit der Wahlkreiseinteilung führte zu einer sehr starken Bevorzugung der Konservativen. 1913 erhielten sie 14,8% der Urwählerstimmen, hatten aber 149 der 443 Sitze im Abgeordnetenhaus (inkl. zwei Hospitanten), die Freikonservativen erreichten sogar 53 Sitze mit nur 2% der Urwählerstimmen. Die SPD hingegen erhielt 1913 mit 28,4% der Urwähler nur 10 Sitze.
Next Stop: Deutscher Krieg 1870/71
Als nächsten Stop in der Deutschen Geschichte würde ich den Deutschen Krieg sehen, mit dem Preussen unter Bismarcks Führungversuchte seine Dominanz auszunutzen, um seinen Einfluss zu vergrößern. Machen wirs kurz: Preussen schlug Österreich.
Next Stop: Deutsch-Französischer Krieg von 1870

Kurz: Die Preussen schlug in Allianz mit Bayern, Württemberg und Baden Frankreich und das Deutsche Reich wurde gegründet. In gewissem Sinne erfolgte die Umsetzung so mancher Ideale der Deutschen Revolution jetzt durch Kriege und Expansion. Die Verwendung der Begrifflichkeit Deutsches Reich knüpfte an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (962–1806).

Interessant evt. auch der staatsrechtliche Exkurs in der Wikipedia:

Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert […]. Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht „Rechtsnachfolger“ des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat „Deutsches Reich“ (Bundesverfassungsgericht vom 31. Juli 1973)”

Und nochn Nietzsche:

„Von allen schlimmen Folgen aber, die der letzte mit Frankreich geführte Krieg hinter sich drein zieht, ist vielleicht die schlimmste ein weitverbreiteter, ja allgemeiner Irrthum: der Irrthum der öffentlichen Meinung und aller öffentlich Meinenden, dass auch die deutsche Kultur in jenem Kampfe gesiegt habe und deshalb jetzt mit den Kränzen geschmückt werden müsse, die so ausserordentlichen Begebnissen und Erfolgen gemäss seien. Dieser Wahn ist höchst verderblich: nicht etwa weil er ein Wahn ist – denn es giebt die heilsamsten und segensreichsten Irrthümer – sondern weil er im Stande ist, unseren Sieg in eine völlige Niederlage zu verwandeln: in die Niederlage, ja Exstirpation des deutschen Geistes zugunsten des ‚deutschen Reiches‘.“
– Friedrich Nietzsche zur Gründung des Deutschen Reiches 1871: Unzeitgemäße Betrachtungen, 1873–1876, Erstes Stück, Kapitel 1

Weiteres

1878 wurden die Sozialistengesetzte verabschiedet. Das Gesetz verbot sozialistische und sozialdemokratische Organisationen und deren Aktivitäten im Deutschen Reich außerhalb des Reichstags und der Landtage. Es kam damit einem Parteiverbot gleich. Viele Sozialisten setzten sich unter dem repressiven politischen Druck des Gesetzes ins ausländische Exil ab, vor allem nach Frankreich, die Schweiz oder England. Die SAP konnte jedoch weiter im Parlament vertreten sein und bekam auch immer mehr Stimmen, so dass der Reichstag 1890 eine weitere Verlängerung des Gesetzes ablehnte. Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes blieb die Sozialdemokratie, die sich seit dem Erfurter Programmparteitag 1891 SPD nennt, ein ernstzunehmender Machtfaktor. 1912 schließlich sollte sie gar stärkste Partei im Reichstag werden. …

Der Geist des Sozialistengesetzes wirkte jedoch auch nach 1890 in Gesellschaft und Politik des Deutschen Reiches fort. Die Sozialdemokraten wurden noch lange nach der Aufhebung des Gesetzes als „vaterlandslose Gesellen“ diffamiert (u.a. 1907 bei der sogenannten „Hottentottenwahl“). Erst bei der Auslösung des Ersten Weltkrieges im August 1914, als es darum ging, die Volksmassen für den Krieg zu mobilisieren, überdachte Kaiser Wilhelm II. als „Oberster Kriegsherr “ Deutschlands die auch von ihm bis zuletzt vertretene Strategie der politischen Isolierung der Sozialdemokratie und verkündete – nach seinem Verständnis im Interesse des Reiches – mit Blick auf die Sozialdemokraten, er kenne „keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche“. Darauf stimmte die SPD-Reichstagsfraktion, seit dem Tode August Bebels (1913) unter dem Vorsitz des gemäßigt reformorientierten Friedrich Ebert – neben Hugo Haase – geschlossen für die ersten Kriegskredite und leitete die Burgfriedenspolitik ein.

Interpretation
Die Sozialdemokraten als Parlamentarische Linke, ob nun als ADAV, SDAP, SAP oder SPD waren immer schon nationalstaatlich und nicht internationalistisch ausgerichtet. (S.a. Ferdinand Lassale ) und nie revolutionär.

Ich denke, dass der Knax 1848 war. Und dass das Kernproblem der Nationalismus war, der in der Sozialdemokratie ebenfalls mehr Zustimmung fand, als Ideen einer Sozialrevolution. Die SPD kämpfte um Anerkennung. Und dafür war sie bereit andere Ideal zu opfern. Insofern stellt aus meiner Sicht die SPD über die Geschichte Deutschlands hinweg immer wieder die nützlichen Idioten, die zwar immer auch die Stimmen der Arbeiter bzw. der Masse der Wähler bei Wahlen erheischen können, aber nicht im Namen dieser handeln: Sie 1. Weltkrieg, siehe Weimarer Republik.

Sozialrevolutionäre und Anarchisten haben es immer abgelehnt über den Weg der Parlamente die eigenen Ideale zu verraten. Die deutsche Sozialdemokratie scheint aber innigst verbunden mit dem Parlamentarismus, den ich mal negativ interpretiere in dem Sinne, dass hier die Idee ist, das Politik eben eigentlich primär in den Parlamenten passiert und nicht durch direkte Mitbestimmung der Bürger oder zumindest die Berücksichtigung des Wählerwillens (keine Wiederbewaffnung, Atomausstieg, keine Kriegsbeteiligung, etc. etc. )

Gerne nehme ich Verbesserungsvorschläge und Korrekturen auf.

Schulden und Finanzen

Da wird versprochen 20-35 Milliarden Euro einzusparen. Belegt ist, dass dies keinerlei positive Wirkung auf die Wirtschaft hätte. Es ist ein Steuergeschenk an ein bestimmtes Wahlklientel. Ein Dankeschön. Aber wehe, wenn jemand fordert Hartz-IV-Empfänger gerecht auszuzahlen oder bestimmte Investitionen fordert – da heisst es dann gleich: Das muss aber auch gegenfinanziert werden. Komischwerweise muss das bei 35 Milliarden keiner? Da ist die Lüge dreist genug.

Schattenhaushalt

Psssst, wäre der eigentliche Witz eines Schattenhaushaltes nicht, wenn keiner davon wüsste? Beim CDU-Spendenaffäre kam das doch auch erst später heraus. Macht man das jetzt umgekehrt? Ist das jetzt die neue Dreistigkeit? Man sagts gleich vorher, dass das ganze Konstrukt verfassungswidrig ist? Und die FDP hat vor der Wahl genau DAVOR gewarnt? Ist ja lustig.

Zur Zensur bei den Piraten

Oktober 21, 2009 1 Kommentar

Formal sind die Piraten für freie Meinungsäußerung und gegen Zensur. Allerdings macht man in den Foren und im Chat der Piraten die Erfahrung, dass dort Zensur an der Tagesordnung ist. Und für einige Piraten scheint dieser Widerspruch nicht als solcher wahrnehmbar.

In den Foren der Piraten ist es üblich:

  • Aussagen in Beiträgen zu zensieren und so den Inhalt zu verfälschen.
  • Beiträge ganz zu löschen
  • User bei geringstem Anlass zu sperren und ihnen so die weitere Beteiligung zu verweigern.

Ich wende mich nicht generell gegen Moderation und auch gegen gelegentliches Löschen. Allerdings ist es mir selber auch passiert dort zensiert zu werden inklusive einer Verwarnung. Auf Nachfrage erhielt ich keine Auskunft darüber, was der Grund für die Verwarnung war.

Was ich hier besonders bedenklich finde ist, dass hier einerseits, dass Moderatoren hier sehr weit gehenden Einfluss auf die politische Diskussion nehmen – und zum anderen, dass mir dieses in dieser so weitgehenden Form zum ersten mal GERADE bei den Piraten auffällt, die ja nun, wie wir alle wissen GEGEN Zensur sind. Das Problembewusstsein ist dabei nahe Null. Einige aktive  Piraten scheinen an dem Punkt aber auch erheblich genervt zu sein, können sich damit aber nicht durchsetzen. So manchem Moderator scheint mir da die Macht zu Kopf gestiegen zu sein.

Aus meiner Sicht verlieren die Piraten hier in einem ihrer Kernthemen erheblich an Glaubwürdigkeit.

Dabei verläuft die Zensur meist nach diesem Muster:

  • Jeder User kann fast jeden beliebigen Schwachsinn verbreiten, auch wenn dieser sexistisch, rassistisch ist oder eine Verschwörungstheorie oder rechtsradikal.
  • Wenn User auf diese Thesen allerdings die Meinung des Posters angreifen so kann es ihnen passieren, dass die Reaktion als persönlicher Angriff zensiert wird.
  • Dies hat erhebliche Manipulationsmöglichkeiten. Es ist sehr einfach Beiträge zu schreiben, die quasi unangreifbar sind. Wer hingegen einen konkreten User für seine Meinung attackiert, öffnet Angriffsfläche und kann sich fast sicher sein, dass er zensiert wird.

Ich persönlich finde ehrliche Kritik wichtiger, als die angenehme Form. Ich denke nicht, dass persönliche Angriffe und Streit schlecht sein müssen. Im Gegenteil: Wenn etwas strittig ist, dann muss man das auch manchmal “lautstark” austragen. Die Piraten scheinen da überempfindlich zu sein und der Ideologie anzuhängen, dass man über jedes Thema zivilisiert und unemotional miteinander reden kann. Sie glauben auch, dass es eine Frage der besseren Argumente ist, welche Meinung sich durchsetzt. Ihnen fehlt dabei die fundamentale Erkenntnis, dass es Interessengruppen gibt, die alles tun, um die Meinungen zu manipulieren. User die hingegen an anderer Stelle im Internet das Ziel verkünden eben dies im Piratenforum zu tun, werden geduldet, während User, die sich ehrlich über manche Thesen aufregen, herausgedrängt werden.

Unter dem Strich ist aber das problematische eben der Glaubwürdigkeitsverlust der Piraten andererseits und die Meinung, die sich bei mir rausbildet, dass man lieber keine Piraten als Ersatz für die derzeitige Regierung haben möchte, weil ich erwarten würde, dass deren Zensur noch viel weitergehen würde als dass, was wir bisher haben. Und sie schaden damit der ganzen Anti-Zensur-Bewegung.

Ich finde es daher wichtig, dass sich Bürgerrechtler zunehmend von der Piratenpartei distanzieren. Nicht nur deswegen. Ich hatte hier ja schon das Thema Rechtsradikalismus und Frauenrechte im Zusammenhang mit der PP erwähnt.

Ich stimme da mit einigen anderen Beobachtern überein, dass die PP einen Punkt erreicht hat, wo man sie eher als politischen Gegner betrachten muss – und nicht als Fürsprecher für Bürgerrechte, als der sie sich gerne geriert. Es ist notwendig, das deutlich zu sagen, denn nur so bietet sich die Möglichkeit der Abkehr vom falschen Weg gegen Bürgerrechte und pro Zensur.

Obamas Friedensnobelpreis eine schwere Belastung

Oktober 10, 2009 1 Kommentar

Wer die Diskussion in den USA verfolgt, sieht wie schwer Obama unter Beschuss ist von rechtsaussen. Der frühe Friedensnobelpreis ist eine sehr schwere Belastung für seine Arbeit, denn es gießt Öl ins Feuer einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Zudem ist es ein Witz einem US-Präsidenten bereits nach neun Monaten einen Friedensnobelpreis zu verpassen. Nächstes Jahr wäre früh genug. Im Moment ist die Vergabe brandgefährlich für Obama. Er ist zur Zeit DAS Hassobjekt des rechten Mainstreams in den USA. Diese Amerikaner fühlen sich allenfalls von einer Vergabe eines Nobelpreises provoziert. Wenn man die Reden dort verfolgt liegt auch die Vermutung nahe, dass Obama als ein weiterer Präsident Opfer eines Anschlages werden könnte. Der Friedensnobelpreis macht dies eher wahrscheinlicher.

Wer mehr darüber erfahren will, was so in den USA angeht, dem empfehle ich die Vidcasts von MSNBC Countdown und Rachel Maddow (erhältlich via Miro).

Schnippsel aus der Diskussion um Feminismus bei Piraten

Oktober 9, 2009 3 Kommentare

Weil es so bezeichnend ist, möchte ich hier anonymisiert einige Zeilen zitieren, die ich über das Forum der Piraten erhalten habe

Gleichheit ist wirklich nicht gebeben,denn Männer werden einfach nur Diskriminiert mit Frauenqouten,evtl werden die nächsten Einsteine von untalentierteren Frauen durch Qouten ersetzt. Frauen haben auch keine geringeren Kairrechancen, Keiner verbieter oder Behindert eine Frau eine Hohe Position zu bekommen,bei den Männern ist jedoch Dies der Fall.
Außerdem sind viele Frauen auch nicht so Kairregeil wie sich der Staat es wünscht.
Ich denke eine Frau ist mit Ehe,Kinder und einen “normalen Job” um einiges glücklicher,als alleine in einer Hohen Position.
Außerdem möchte ich immer noch Wissen,was Man-Bashing mit Gleichberechtigung zu tun hat?
Die Demokratie wird nicht hier,sondern bei Den Grünen außer Kraft gesetzt,denn durch das Frauen-Veto recht wird nach Karl Max die Legislative gebrochen,wodurch keine Demokratie mehr vorhanden ist.
Und was sagst du zur einseiten Frauenförderung in der Schule,ist das Gleichberechtigung? Heißt für dich  Gleichberechtigung,eiskalte und einseite Frauenförderung? Aus diesem Grund haben auch schon User mit Slogan,wie Gleichberechtigung auch für Jungen hantiert.

Mir fällt dazu nicht mehr viel ein. Möge der geneigte Leser sich einfach selber ein Bild machen. Sicher nur eine Stimme unter vielen. Mein Eindruck ist aber, dass die PP zum Teil von Maskulisten geprägt wird und sich unfähig erweist sich derer zu entledigen. Ist man bei der Kritik und Ablehnung des Feminismus sehr schnell, so nimmt man oft den Maskulismus 1:1 für  bare Münze. Die “Männer AG” ist einfach nur peinlich. Denn hier findet keine Selbstfindung statt, sondern nur ein Generieren von Männer-Propaganda.

Ich hatte das Piraten-Mitglied Arne Hoffmann in einem Thread öffentlich kritisiert und Fragen gestellt, die er von seiner Frage-Seite wieder gelöscht hatte – und das Ergebnis war, dass mein Thread in Offtopic verschoben wurde.Es ist schon interessant wie hart und rigoros die Piraten in Foren und Chats zensieren – dies aber als solches nicht wahrnehmen. Ich wundere mich da manchmal doch sehr – und frage mich, ob das die gleichen Leute sind, die die Zensurbestrebungen der Bundesregierungen ablehnen oder auch das Beschneiden von rechtsradikalen Meinungen in den Foren.

Nach meinen bisherigen Diskussionserfahrungen mit Piraten kann man in deren Foren eigentlich jede Kruse These vertreten, die es gibt.  Und sei diese auch sexistisch, rechtsradikale, etc. Was man auf keinen Fall machen darf ist jemanden persönlich aufgrund seiner Meinungen zu attackieren oder Formfehler begehen. D.h. es gibt eine sehr hohe Meinung zum Persönlichkeitsschutz – und die Form wird hoch geschätzt. Wer einen Formfehler begeht, dessen Posting wird schnell mal zensiert oder verschoben- oder er fliegt aus einem Channel. Aber inhaltlich kann man fast alles vertreten was man will. Im wesentlichen ist das eine pragmatische Einstellung, deren Ziel es ist den Forenbetrieb oder Chatbetrieb am laufen zu halten. D.h. Diskussionen sollen nicht dazu “mißbraucht” zu werden um miteinander über Positionen zu streiten, sondern dienen ledliglich dem Austausch von Informationen. Alles was viel Traffic erzeugt oder die Übersichtlichkeit stört gilt als unerwünscht. Solange man sich an wenige Regeln hält ist alles ok.

Was mich an diesen Regeln stört ist, dass sie im Grunde inhaltlich neutral sind. D.h. in den Piratenforen kann beliebiger Content ausgetauscht  und beliebige Positionen vertreten werden.

Die Gefahr hierbei ist, das die Foren nicht einen echten Diskurs erlauben, der eine Festlegung auf bestimmte Themen und Positionen vorraussetzt. Dies ist eine Policy, die für jedes beliebige Webforum passt – es ist egal was diskutiert wid, es ist egal wer es betreibt.

Beliebigkeit und spezifische Ziele einer Partei passen dauerhaft aber nicht zusammen. Insbesondere wenn die Inhalte dem Geist einer Partei beginnen zu widersprechen.

Zum angeblichen Aus der Ampelkennzeichung bei Lebensmitteln

Wenn das stimmt, was Süddeutsche und Zeitrafferin berichten, so betrachte ich das als schweren Rückschlag für die Verbraucherrechte.

Die Ampelkennzeichung, die in einigen Ländern bereits eingeführt wurde, ist m.E. der einzige sinnvolle Weg schnell etwas über wichtige Grunddaten eines Lebensmittels zu erfahren und somit Kaufentscheidungen zu treffen. Niemand liest sich bei jeder Packung exakt die Mengenangaben durch und vergleicht diese dann noch mit anderen Packungen.

Die Werbung legt großes Gewicht daraus uns zu erzählen, dass sowas wie eine “Milch-Sschnitte” mit einer “Extraportion Milch” gesund wäre – oder das “Nimm2“-Bonbons wichtige Vitamine enthalten würden. Das alles ist übelste Propaganda, die die Gesundheit nicht nur von Kindern schädigen und im Endeffekt töten. Dies ist nicht geringer schädlich als Zigarettenwerbung.

Die Ampelkennzeichung ist eine einfache Möglichkeit dem Verbraucher etwas an die Hand zu geben, wonach sich jeder orientieren kann – von alt bis jung. Das wir in Deutschland zu viel Fett, Zucker und Salz verzehren ist unumstritten. Man kann etwas für die Kennzeichnung tun – der Versuch die deutlichere Kennzeichung zu verhindern ist in meinen Augen primär eine Lebensmittelindustrie geschuldet, die über Leichen geht. Das Blogger sich hier auch einreihen ist einfach nur peinlich und die Argumente dünn.  Man darf das Ganze ja nicht so sehen, als ob es hier nur um eine redundante und überflüssige Information ginge.Hier hätten wir mal eine einfache Methode, einen Anfang um viele Millionen Leben zu retten.

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