Und es gibt sie doch: Piratinnen!

Es gibt sie doch!

Es gibt sie doch! (Einige Rechte Vorbehalten)

Die Piratenpartei ist schon ein lustiger Verein. Allgemein ist man dort gegen Neusprech. Man hat ja 1984 gelesen oder glaubt es zu kennen.

Genau DAS aber hat man sich selbst in die Satzung geschrieben:

Abschnitt A: Grundlagen

§ 1 – Name, Sitz und Tätigkeitsgebiet


(5) Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.

Laut Duden allerdings ist es durchaus möglich eine weibliche Form von Pirat zu bilden. Was also haben wir hier? Wieso haben die Piraten das gemacht?

Diese Regelung in der Satzung ist quasi antifeministisch. Laut Wikipedia werden in der Feministischen Linguistik feminine Endungen  auch dort gebildet, wo dies zu Wort-Neukreationen führt (Beispiel „Bundeskanzlerin„). Die Piratenpartei hat nun aber das Gegenteil gemacht: Von einem Wort, zu dem es bereits eine weibliche Form gibt, haben sie diese per Satzungsbeschluss entfernt. Hierbei handelt es sich also um eine bewusste Sprachmanipulation. Da dies ganz bewusst vollzogen wurde ist dies eine Message, die wir als Empfänger entschlüsseln müssen:

  1. Ich stelle zunächst fest, das die Mitglieder mehrheitlich Männer waren, die diesen Beschluss gefasst haben.
  2. Es lässt sich auch sagen, das die Piratenpartei mit Sicherheit zumindest Feministischer Linguistik (FL) gegenüber feindlich gegenüber steht.
  3. Man kann auch festhalten, dass es in Deutschland keine Partei gibt, die die weibliche Form ausschliesst. Vielleicht liegt es daran, das „Mitglied“ eigentlich geschlechtsneutral ist. Die Piraten haben aber bewusst einen anderen Begriff gewählt, der eben nicht geschlechtsneutral ist.
  4. Da die FL für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch eintritt – und die Piraten hier eine Gegenbewegung vollziehen, muss man ergo diesen Satzungsabschnitt als bewusst sexistisch und frauenfeindlich werten. Als Signal an Frau, dass sie als Mitglied weniger Wert ist als die Männlichen Kollegen. Warum? Um einen geschlechtsneutralen Begriff zu wählen hätte man ja auch „Piratin“ als geschlechtsneutral definieren können. Wollte man aber nicht. Man hat ganz bewusst die männliche Form gewählt um damit ein Signal zu setzen.

Wie so vieles, was in der Piratenpartei passiert, ist auch das verschieden von dem, was in anderen Parteien passiert. Die Piraten sehen sich dabei oftmals jenseits aller gesellschaftlichen Diskurse. Sei es nun das Rechts/Links-Schema. Piraten denken sie sind nicht-sexististisch, agieren aber dennoch so. Es wird Zeit, das die jungen Männer erwachsen werden und sich ihrer Verantwortung bewusst werden im Umgang mit Frauen wie im Umgang mit Geschichte.

Übrigens: Mit solchen Angriffen tut man der Piratenpartei einen Gefallen, denn man stärkt den innerparteilichen Kritikern den Rücken: Das dort endlich mal Vernunft einkehre. Ich unterstütze alle Forderungen der Piratenpartei,aber was in der Partei verzapft wird ist unter aller Sau. Die Piratenpartei muss vor allem im Moment an ihrer Glaubhaftigkeit arbeiten um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Dazu müssen viele dort ganz ganz schnell erwachsen werden!

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6 Kommentare Leave a comment.

  1. Interessant. Ich glaube, die mögen nicht nur keine feministische Linguistik, sondern auch keine Frauen. Oft halten sie die auch für dumm. Darum müssen die alles erklärt bekommen, eben wie das mit den Piratinnen ist, die es nicht gibt, wie zBsp. Anne Bonny und Mary Read.

    :-)

    Mir wurde dazu auch ungefragt bei einem Stammtisch erklärt, dass es nur „geschlechtsneutrale“ Bezeichnungen geben wird und man nicht einsehe, an alles ein „-Innen“ zu hängen, denn der weiblichen Form hätte man(n) sich bereits entledigt. Darüber herrsche in der Partei Einigkeit. Für mich hörte sich das doch glatt so an, als meinte man damit tatsächlich das Binnen-I und nicht die Piratin an sich. Aber eine Minute später wußte ich bereits, das auch weiterhin mit dem Schlimmsten gerechnet werden muß, denn die Frage stand im Raum, was 3 (ein Schelm wer Böses dabei denkt) Studenten (als Piraten verkleidet) tun würden, wenn sie zBsp. in einer Fragerunde feststellen, eigentlich ahnungslos zu sein. Die knappe Anweisung des Generalsekretärs zur Lösung des Problems:“Dann befragen sie einen Experten!“

    Die Piraten waren begeistert. Oder sie protestierten jedenfalls nicht. Wie auch gegen die anderen Beschlüsse des Generalsekretärs nicht, denen sie dann zügig, aber kommentar- und protestfrei Folge zu leisten haben.

    Ich ahnte da schon: ‘Diese erschütternde Erkenntnis, eigentlich keine Ahnung zu haben, kommt einem Piraten nicht von allein. Piraten wissen alles und wenn nicht, dann dies wenigstens besser.’

    ;-)

    LG

    Isi

  2. Danke für deine klugen Beiträge zur Piratenpartei.

    Die PP sollte froh sein, dass man auf dies Weise Kritik an sie heran trägt. Die meisten Mitglieder haben schlicht keine Ahnung von gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Themen jenseits ihres kleinen Kernbereiches. In typischer Geek-Attitüde hindert sie das aber nicht, dazu starke Meinungen zu vertreten und alles ohnehin schon ganz genau zu wissen. Dass sie dabei teils die abgrundtiefsten Ressentiments und unreflektierteste Mainstream-Ideologie zum Besten geben, merken die nicht mal.

    Die PP würde gut daran tun, Kritik nicht einfach als „nicht objektiv“ o.ä. wegzuwischen und sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Sonst verschrecken sie nur die Leute, die von sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen Themen wirklich etwas verstehen, und werden immer eine kleine Klientelpartei bleiben, die man nicht besonders ernst nehmen kann.

  3. Wer’s braucht.

  4. Mich würde jetzt noch interessieren, wie die anderen Parteien das handhaben, wenn sie ihre organisierten Mitglieder bezeichnen. Sind da verschiedene Formen zulässig? :-)


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